Performance Fiction im Finale

Das war Performance Fiction #1

Gestern ist das erstmalig stattfindende Toihaus-Festival Performance Fiction zu Ende gegangen. Cornelia Böhnisch, künstlerische Toihaus-Co-Leiterin und Festival-Kuratorin zieht ein positives Resümee: „Das große Interesse an Performance Fiction hat uns sehr bestärkt und gezeigt, dass wir mit der Frage „Was kann die Kunst für die Zukunft tun?“ einen Nerv treffen. Es freut mich sehr, dass wir durch Performance Fiction neues Publikum ansprechen und für die Arbeit des Toihaus Theaters interessieren konnten.“

Mit dem Performance Fiction-Festival erreichte man eine Auslastung von rund 80 Prozent. Programmiert waren 10 Performance-Vorstellungen, ein Konzert, ein Workshop, sowie zwei Installationen. Corona-bedingt konnte leider generell nur ein relativ geringes Kartenkontingent aufgelegt werden.

Der Eröffnungstag vergangenen Freitag stand ganz im Zeichen des Toihaus spezifischen Ansatzes eines zeitgenössisch-intergenerativen Theaters, wo gleich zwei Toihaus Produktionen „TON – Performance in a circle“ und das partizipative Stück „Spieltöne – Theater zum Anfassen“ zur Premiere kamen. Diese formen gemeinsam mit der Kinderproduktion „Ton in Ton“ eine dreiteilige Produktionsserie, die sich auf verschiedensten Ebenen – akustisch, haptisch wie visuell – dem Werkstoff wie dem klanglichen Ton widmet und als Festivalauftakt erstmalig als Trilogie präsentiert wurde. Ein weiteres Performance-Highlight am Eröffnungswochenende war Sophia Hörmanns Performance „GLOWING current moods“.

Mit Julia Müllners „gathering bacteria in my carrier bag“ konnte als Toihaus-Koproduktion auch eine ganz junge Position gezeigt werden: Beim diesjährigen Wiener Imagetanz Festival als Online-Fassung präsentiert, entwickelte Müllner ihre Performance für das Performance Fiction Festival zur Bühnenfassung weiter. Dafür beschäftigte sie sich intensiv mit Fermentation, einem Prozess mikrobieller Umwandlung und Konservierung. Für„gathering bacteria in my carrier bag“ wurden einzelne Abläufe und Zustände dieses biologischen Vorgangs, umgeben von der faszinierenden Soundkulisse von Audiokünstlerin Christa Wall in zarten, performativen Bewegungsstrukturen interpretiert und stellten einen ganz besonderen Höhepunkt des Festivals dar.

Mit der stimmungs- und soundgewaltigen Konzert-Performance „In Effigie“ von Dr. Didi (Didi Bruckmayr, Andreas Androsch und Bernd Preinfalk) klang Performance Fiction gestern, Mittwoch schließlich aus. Zur nachhaltigen Bedeutung von Performance Fiction für das Toihaus Theater meinte Cornelia Böhnisch: „Das Toihaus Theater begreift sich als künstlerischer Experimentierraum, Performance Fiction bot uns die Gelegenheit dies verstärkter nach Außen zu tragen und uns dadurch auch ein wenig breiter aufzustellen.“ 

In mehrtägiger Arbeit arbeitete während des Festivals im temporären Atelier in der Toihaus Künstler*innenwohnung Ursula Wimmesberger am Mural „Do you lichen me?“. Mit einer spontan arrangierten Installation aus Naturmaterialien, die am Montag in Verbindung mit dem Projekt aus dem Toihaus raus in den Stadtraum „wuchs“, kam an dem heißen Sommertag auch ein Stück Wald in die Stadt. Ein weiteres interaktives Highlight war der Workshop von Robert Angerer „The Sound of Tea“, wo Tüftler*innen und Interessierte an zwei Tagen Lautsprecher aus Kombucha-Leder herstellen konnten.

Lebendiges Publikumsinteresse weckten auch die Pop Up Library im Theaterfoyer, die in Kooperation mit der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (ZVB) initiiert worden war, sowie die künstlerische Arbeit von Jasmin Edelbrunner „No.2“, die zugleich auch das Sujet des diesjährigen Festivals war.

Performance Fiction ragte mit Expert*innen-Interviews am Toihaus-Blog auch in den digitalen Raum: An jedem Festivaltag wurde ein Expert*innen-Interview veröffentlicht, das das Team während der Festival-Vorbereitung geführt hatte. Die Talks mit Architektin Anna Heringer, Pilzzüchter Andreas Eibl, Ökomediziner Arnulf Hartl, Stadtstrukturforscherin Angelika Psenner und Choreographin Doris Uhlich ermöglichten ein Eintauchen in faszinierende Themen-und Gedankenwelten. Immer wieder blitzte auch da die Frage auf: „Was kann die Kunst für die Zukunft tun?“ (Nachzulesen am Toihaus-Blog: toihaus.at)

Performance Fiction soll sich künftig zu einem jährlichen Format entwickeln, das – jeweils gegen Ende der Theatersaison – dem Toihaus die Möglichkeit gibt, Arbeiten in einem noch interdisziplinäreren Kontext zu präsentieren. Zudem wird durch das Festival auch eine Ebene geschaffen, die eigene Arbeit im Zusammenspiel mit Gastspielen und im Austausch mit Expert*innen zu betrachten, zu reflektieren und neue Sichtweisen und Impulse zu generieren.

Performance Fiction in Zahlen:

Auslastung Festival gesamt: Rund 80 %

An die 500 Quadratzentimeter Flechten „wuchsen“ bei der spontanen Outdoor Installation„Do you lichen me?“ der Künstlerin Ursula Wimmesberger vom Toihaus aus in den öffentlichen Raum.

15 Kilo Ton wurden bei der Performance „TON – Performance in a circle“ 1, 5 Stunden in 60 Runden  von den Performerinnen getragen

Rund 3 Kilogramm Pilze – u. Pilzmaterial kamen beim Festival als „Fungus of Art“ entweder in Form von Trockenpilzen (als Premierengeschenke), Kombucha-Leder (beim Workshop „The Sound of Tea“), als Teil von Jasmin Edelbrunners Installation „No.2“, in einem Gemisch aus Porzellan und Speisestärke oder als Requisite bei Julia Müllners „gathering bacteria in my carrier bag“ zum Einsatz.

55 Fragen stellten wir für unsere Gesprächsreihe an Toihaus Blog 6 Expert*innen aus verschiedensten Fachgebieten

50 „Zukunftsbücher“ stellte uns die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (ZVB) für die Pop-Up Library im Theaterfoyer zur Verfügung.

 

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Presse Performance Fiction:
Karoline Jirikowski
E: Karoline.jirikowski@toihaus.at
T: +43 650 38 55 275